top of page

MELANIE UNPLUGGED

01

Im Kopf war es einfacher

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

|

Eigentlich kann ich vieles richtig gut. Nur habe ich offenbar wenig Talent dafür, mich darauf zu beschränken. 😉

​Denn wer nicht stehen bleiben möchte, muss hin und wieder seine Komfortzone verlassen. Meine habe ich inzwischen ziemlich gründlich hinter mir gelassen. ​Und da gibt es einen kleinen Haken: Meine Ansprüche kommen immer mit.

​

Wenn ich heute zurückblicke, stelle ich fest, dass das eigentlich schon als Kind so war. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meine Mutter nach ihren Ferien mit etwas ganz Besonderem überraschen wollte. Einem wunderschönen, mit Blumen geschmückten Torbogen zur Hauseinfahrt und einem selbst gestalteten Willkommensschild. In meiner Vorstellung sah das fantastisch aus! Ich hatte das fertige Bild bereits ganz genau vor Augen. Also machte ich mich voller Begeisterung ans Werk.

​

Nun ja. Die Realität hatte offenbar ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie ein solcher Blumenbogen auszusehen hatte. 😉

Was mich an dieser Erinnerung heute zum Schmunzeln bringt, ist nicht der missglückte Blumenbogen. Es ist die Tatsache, dass ich schon als kleines Mädchen nicht einfach irgendetwas machen wollte. Es sollte etwas Besonderes sein. Und ich konnte mir bis ins Detail vorstellen, wie das Ergebnis aussehen müsste. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

​

Nur sind die Herausforderungen inzwischen andere. Und gerade jetzt, wo ich mich ziemlich weit ausserhalb meiner Komfortzone bewege, merke ich, dass es einen entscheidenden Unterschied gibt zwischen dem, was ich mir vorstelle, und dem, was ich auf einem neuen Gebiet bereits umsetzen kann. Meine Ansprüche sind nämlich dieselben geblieben. Unabhängig davon, ob ich etwas seit zwanzig Jahren mache oder gerade erst damit anfange. Und das kann durchaus anstrengend werden. Vor allem für mich selbst. 😉

​

Denn das Problem ist nicht unbedingt, dass ich etwas nicht kann. Sondern dass ich es noch nicht so kann, wie ich es gerne möchte. Was mich zu einem anderen Thema bringt, das mich gerade auch beruflich beschäftigt. Bei Stellenbesetzungen hört man immer wieder, dass man sich für jemanden entschieden habe, der genau diese Aufgabe bereits gemacht hat. Der die entsprechende Erfahrung mitbringt. Der eben besser «passt».

​

Manchmal frage ich mich, was aus unserer Welt geworden wäre, wenn man dieses Prinzip schon immer so konsequent angewendet hätte. Tut uns leid, Herr Einstein. Ihre Ideen sind interessant, aber haben Sie so etwas schon einmal gemacht? 😉

Natürlich sind Erfahrung und Fachwissen wichtig. Aber irgendwann hat jeder einmal angefangen. Irgendwann hat jemand das Potenzial gesehen und einem Menschen die Chance gegeben, etwas zu tun, das er vorher noch nie gemacht hatte.

Warum fällt es uns heute manchmal so schwer, genau dieses Potenzial zu erkennen?

​

Denn nicht immer geht es darum, was jemand bereits gemacht hat. Sondern auch darum, was jemand mit seinen Fähigkeiten, seinen Ideen und seiner Erfahrung noch alles bewegen könnte. Und vielleicht liegt genau darin der Widerspruch, mit dem ich mich selbst gerade beschäftige: Einerseits bin ich überzeugt, dass man sich weiterentwickeln und auch Neues wagen muss. Andererseits bin ich mit mir selbst ziemlich unnachgiebig, wenn das Ergebnis nicht auf Anhieb meinen Vorstellungen entspricht. In den vergangenen Monaten habe ich jedenfalls einiges gelernt. Über technische Möglichkeiten, über meine Grenzen und vor allem über meine eigenen Ansprüche.

​

Ein paar der weniger glanzvollen Momente habe ich auf Video festgehalten. Was mich dabei heute zum Lachen bringt, fand ich im entscheidenden Moment nicht immer unbedingt lustig. 😄

​

Aber eines möchte ich mir deswegen nicht abgewöhnen: gross zu denken und mich an Dinge heranzuwagen, die ich noch nie gemacht habe. Denn ohne die Chance, etwas zum ersten Mal zu tun, gäbe es auch gar keine Erfahrung.

Und bis mein Kopfkino und die Wirklichkeit sich einig sind, gibt es offensichtlich noch einiges zu erzählen.

Im Kopf war es eben einfacher. 😉

​

​

Porträt.png

12. Oktober 2026

nächstes Porträt

bottom of page