​15. Juli 2025 - Cecina / Marina di Bibbona / Bolgheri
Parkplatzkrimi, Strandlabyrinth und Zypressenzauber –
Ein Tag in Cecina, Bolgheri und am Bibbona Beach
Jeden Dienstagvormittag verwandelt sich Cecina in ein riesiges Marktparadies – oder je nach Blickwinkel in eine gigantische Geduldsprobe. Kleidung, Haushaltskram, Lebensmittel… man findet so ziemlich alles. Nur eines findet man nicht: einen Parkplatz. Die Parksituation erinnerte mich an mein Trauma aus Pistoia. Nur schlimmer. Ich fühlte mich wie in einem Videospiel. Vielleicht nicht ganz Mario Kart, aber irgendetwas zwischen „Parkplatz-Roulette“ und „Überleben in Level 3 – Innenstadtverkehr“.
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Parkplatzroulette und Marktmelodie
Hochkonzentriert versuchte ich, auf Kurs zu bleiben – gleichzeitig musste ich ausweichen, um nicht von links oder rechts abgeschossen zu werden. Gibt es hier eigentlich keine Strassenverkehrsregeln? Oder wenigstens Spielregeln?, fluchte ich. Und philosophierte im selben Atemzug: Lass dich nie auf ein Spiel ohne Fairness und Regeln ein. Diesmal half es auch nicht, dass mein Auto nur die Hälfte eines Parkfeldes beansprucht. Nach endlosen Runden parkte ich irgendwo weit draussen. Hauptsache einen Parkplatz. Sieg der kleinen Dinge.
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Der Markt selbst ist ein Spektakel. Die Händler sind mit schwerem Geschütz angerückt – riesige Wagen mit ausfahrbaren Dächern, Zelte, die die Strasse überragten. Vor Sonne und Regen ist man hier jedenfalls bestens geschützt. Und auch die Schweiz war gut vertreten – wer bei den lauten Familiendiskussionen mitlauschte, fühlte sich fast wie in Zürich oder Basel. Zwischen poppigen, italienischen Klängen, die aus den Lautsprechern der Marktstände tönten– rhythmisch, lebendig, fast so, als würde der Markt selbst tanzen, ertappte ich mich dabei, wie ich im Takt beschwingt durch die Gassen schlenderte – beinahe tänzelnd, als wäre der Markt ein riesiges, improvisiertes Freiluft-Festival.
Das Angebot war nicht ganz mein Beuteschema, aber dafür konnte ich wunderbar Menschen und Atmosphäre beobachten. Gegen Mittag zog es mich weiter – hoch hinaus zum Torre dei Belforti, einem Turm in einem winzigen Dörfchen. Abenteuerlich war nur schon die Anfahrt. Leider hatte ich nicht bedacht, dass der Turm nur sonntags geöffnet ist. Nun ja – wenigstens war die Strasse holprig genug, um das Ganze als Offroad-Erlebnis abzubuchen. Viel gesehen ausser herzigen, engen Gassen habe ich nicht. Weiter geht's. In einer Facebook-Gruppe hatte ich vom schönen Strand in Marina di Bibbona gelesen. Klang vielversprechend – also hin da.
Vom Irrgarten zur Beach ins kleine Paradies Bolgheri
Viele Wege führen nach Rom, sagt man. So auch hier zum Strand. Der Weg durch den Wald dorthin gleicht einem Labyrinth. Ich wollte doch einfach nur ans Meer! Nachfragen half nur bedingt: Alle Wege führen zu irgendeinem Strand, so die Antwort. Aha. Ich hätte diesen zauberhaften Wald ja richtig geniessen können – wären da nicht meine Badelatschen, die schwere Badetasche und der Cocktaildurst gewesen. Irgendwann – gefühlt Stunden später, durchgeschwitzt, aber lebendig – kam ich am Strand an. Die Aussicht aufs Meer, ein Drink in der Hand… das war’s dann auch. Mit meinem geliebten Capezzolo Beach konnte Marina di Bibbona einfach nicht mithalten.
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Auf dem Rückweg dann mein persönliches Highlight: Bolgheri. Und schon die Anfahrt ist ein Erlebnis – denn man fährt durch die legendäre Viale dei Cipressi, eine Zypressenallee, die so majestätisch wirkt, dass man fast automatisch leiser spricht. Diese Strasse ist Poesie auf Asphalt. Und drumherum: Alleen, Bäume, sanfte Hügel – alle paar hundert Meter hätte ich anhalten können, so schön war’s. Und Bolgheri selbst ist ein kleines Juwel. So viel Liebe zum Detail, so charmant... Blumen an jeder Ecke, hübsche Läden, gemütliche Cafés – ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Oder wo ich sitzen sollte. Die Qual der Wahl auf Italienisch. Bolgheri hat irgendetwas, das man nicht beschreiben kann. Man muss es fühlen. Mich hat es voll in den Bann gezogen.
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Nach dem Abendessen fuhr ich zurück nach Sticciano – durch die prächtige Landschaft. Der Tag war vollgepackt – mit Kurven, Kontrasten und kleinen Momenten zum Festhalten. Ich war einfach nur glücklich, dass ich Bolgheri noch besucht hatte. Ein Ort der in Erinnerung bleibt und dem Tag ein wunderschönes Ende geschenkt hat.
Bildergalerie Cecina, Torre Belforti, Bibbona Beach




Bildergalerie Bolgheri und Viale dei Cipressi di Bolgheri




