​14. Juli 2025 - Grosseto / Scarlino
Grosseto zum Durchatmen auf der Mauer, Scarlino zum Durchstarten mit dem Quad
Nun war es mal wieder Zeit für ein bisschen Action. Also buchte ich am Morgen früh eine Quad-Exkursion in Scarlino. Start war erst am Nachmittag, also blieb genug Zeit, um vorher noch einen neuen Ort zu erkunden. Meine Wahl fiel auf Grosseto.
​
Zu Fuss gemächlich auf Grosseto's Stadtmauer
Grosseto hat mich jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, aber der Spaziergang auf der Stadtmauer habe ich genossen. Die Mauer mit rund 3 km umrundet das historische Zentrum und führt an hübschen kleinen Gärten mit Palmen und gepflegtem Grün vorbei. Es war ein entspannter Spaziergang, ich war gefühlt die einzige dort oben. Völlige Ruhe, fast so, als wäre die Zeit kurz stehen geblieben.
​​
In der Innenstadt war es am Vormittag noch ziemlich leer. Das gewisse Etwas hat mir gefehlt. Die Stadt hat schon einige heruntergekommene Gebäude ringsum. So gegen Mittag füllten sich dann langsam die Gassen, und auch die Restaurants am Piazza Dante rüsteten sich für den Service. Ich schlenderte noch ein wenig durch die Einkaufsstrasse und studierte die Menükarten, die auf kleinen Tafeln ausgestellt waren. Nur - geöffnet hatte hier um 12 Uhr noch nichts – offenbar beginnt das Leben in Grosseto erst ab 12.30 Uhr.
​
Da mich die Stadt insgesamt nicht so richtig gepackt hat, beschloss ich, weiterzufahren – zwar mit knurrendem Magen, aber gut in der Zeit. Spontan machte ich noch einen kurzen Halt im hübschen Städtchen Scarlino, bevor ich mich dann pünktlich, ganz nach Schweizer Uhrwerk, beim Treffpunkt für die Quadtour einfand.
​​
Scarlino mit dem Quad und ein bisschen Adrenalin
Ein Pärchen aus Umbrien ist zur gleichen Zeit angekommen, es fehlte noch eine Familie aus Lugano – die das „italienische Flair“ wohl bereits verinnerlicht hatten. Sie trudelten mit 45 Minuten Verspätung ein.
​
Helmanpassung hatten wir bereits hinter uns, nun folgte das Technik-Briefing. Ich bin ja schon oft im Urlaub Quad gefahren, aber das war eine andere Liga. High Gear, Low Gear, blauer Knopf, roter Knopf, Fussbremse für Vorder- und Hinterrad hier mit dem Hinweis, dass die anscheinend nicht gut funktionieren, weshalb man eigentlich die Vorderbremse am Lenker nutzt. Diese soll man jedoch auf keinen Fall auf dem Asphalt verwenden, denn das könnte gefährlich werden. Antonino, unser sympathischer Tourguide, untermalte das mit einer eindrücklichen Armbewegung, die ziemlich klar machte, was passieren kann: Kopfstand deluxe.
​
Mir flogen sogleich die wildesten Szenarien durch den Kopf. Ich, elegant durch die Luft segelnd, nach einem kleinen Bremsfehler – und der 8000-Euro-Quad als trauriger Schrotthaufen daneben. Nach der Einweisung mussten wir noch einen Vertrag unterzeichnen, mit vier Seiten wohlgemerkt, inklusive dem Kleingedruckten von wegen Haftung und Eigenverantwortung. Wer sich gegen alle Eventualitäten absichern wollte, konnte für 20 Euro ein rundum-sorglos-Paket dazubuchen. Nach meinen mentalen Visualisierungen vom 8000-Euro-Quad in Einzelteilen zückte ich die 20 Euro schneller, als man „Kollateralschaden“ sagen kann.
​
Dann kam der Fahrtest. Ein paar Runden um die Bäume, ein bisschen bremsen, ein bisschen Slalom. Antonino war begeistert von meinen Fahrkünsten. Zunächst fuhren wir über Landstrassen – und mit über 50 Sachen durch den Verkehr. Ich muss zugeben, da hatte ich ein mulmiges Gefühl, erinnerte mich auch noch an die Kopfstand-Gestik von Antonino und murmelte vor mich hin, „blooooss nicht die Vorderbremse betätigen“. Aber im Gelände war das alles schnell verflogen. Über Stock, Stein, Steigung und Schlagloch ging’s mitten hinein in die mediterrane Macchia. Herrlich. Hier kamen dann auch der rote Knopf und der Low Gear zum Einsatz – Abenteuer pur.
​
In der Nähe der Burg von Scarlino machten wir Halt beim kleinen Weingut La Pierotta. Dort wurden wir mit herzerwärmender Gastfreundschaft empfangen: Bruschetta mit bestem Olivenöl, eine feine Käseplatte – und ja, auch ein Weintasting. Ich habe ja bekanntlich einen gewissen Kultur-Makel in Sachen Wein – aber diesmal habe ich tapfer den Weisswein probiert. Immerhin.
Wir hatten eine tolle Runde: das Pärchen aus Umbrien, die leicht verspätete Familie aus Lugano und unsere Gastgeber – herzlich, charmant, echt Italienisch. Der Rückweg führte uns wieder querfeldein, mit herrlicher Aussicht in der Abenddämmerung.
​
Nun gings zurück nach Sticciano. Und ich habe mir gedacht: Das Quad-Abenteuer hat wieder genau mein Geschmack getroffen. Sowas liebe ich.





Bildergalerie zu Grosseto




Bildergalerie zu Palio Casole d'Elsa




